Der Hilferuf
(Über den Fluch und den Segen des Internet)
Sanft wie schwarzer Samt liegt die Nacht über dem Tale,
nur durch einzelne Inseln vom Licht
der Straßenbeleuchtung unterbrochen,
die wie kleine Sterne in der Dunkelheit schimmern.
Überall herrscht Ruh,
kaum ein Laut ist zu hören,
nur ein sanftes Raunen klingt leis aus dem nahen Walde.
Längst ist die Mitternacht vorüber,
man ahnt schon den nahenden Morgen,
der sich durch einen perlenähnlichen Schimmer
am Horizont bemerkbar macht.
Fast ahnt man das leise Atmen all der Menschen,
die dort in ihren Betten ruhen,
tief in ihrem wohlverdienten Schlafe.
Nur aus einem kleinen Fensterchen,
am Rande des Dorfes,
dringt ein schwacher Schimmer.
Dort schein jemand keine Ruhe zu finden.
Hätt ich jetzt Ohren wie ein Luchs,
würd ich wohl das Klappern hören,
dass da von einer Tastatur herrührt.
Einsam sitz dort in seiner Dachkammer,
vergessen vom Rest der Welt,
ein kleiner Bub vor seinem PC.
Kein Spiel ist es,
was man auf seinem Bildschirm sieht,
es surft im Internet zu frühen Stunde,
ruft Seite um Seit auf.
Und dann verweilt er an einer bestimmten Stelle,
sein Blick starrt gebannt auf den Schirm,
liest Zeile um Zeile
und zittert dabei in der kühlen Morgenluft.
Jetzt klickt er auf einen bestimmten Link,
ruft eines der Formulare auf,
das dort hinterlegt.
Und mit kleinen Tränen in den Augen,
die sich ihren Weg an seinen Wangen bahnen,
füllt er es aus,
Feld um Feld.
Noch starrt er auf den Text,
den er da geschrieben,
zögernd ruht der Mauszeiger auf dem Sendebutton.
Und dann,
ein Klick,
ein winziger Moment nur,
dann ist er unterwegs,
der Hilferuf eines kleinen Buben!
Ich bete darum,
dass er nicht ungehört verhallt!
3.9.2003
Sascha
Schade, als es mir passierte,
gab’s das noch nicht,
aber ich wünsche jedem Opfer
einen guten Internetanschluss,
mir hatte es jetzt sehr geholfen!