Angefangen hat es alles Anfang Januar 2003. Männe hatte einen Umzug für seine und meine Schwester gemacht und hatte danach tierische Schmerzen. Ich meinte wir sollen doch einen Arzt holen was er natürlich nicht wollte. Hatte mir aber solche Sorgen gemacht das ich meinen Sohn anrief,der auch gleich aus Hamburg angedüst kam. Da es aber mittlerweile schon Nachts war konnten wir nichts mehr machen. Also am Samstag Männe ins Auto eingeladen und in die Klinik. Dort hatten die Ärzte den Verdacht das die Wirbelsäule entzündet sei. Also eine Spritze,Tabletten und wieder ab nach Hause mit dem Vermerk wir möchten am Montag bei dem Hausarzt vorstellig werden. Am Montag dann zum Hausarzt,der dann Blut abgenommen und Ultraschall gemacht hatte. Wieder Tabletten und ab nach Hause. Mittwoch noch einmal hin zum Arzt da die Schmerzen unerträglich wurden,wieder eine Spritze. Am Donnerstag dann rief der Hausarzt an Männe müsse sofort in die Klinik da die Blutuntersuchung einen Verdacht auf einen versteckten Tumor ergeben hat. Also Klamotten zusammengepackt und ab in die Klinik nach Neumünster,das war der 06.01.2003.
In Neumünster angekommen wurde Männe gleich von Kopf bis Fuss untersucht.

Es wurden einige Untersuchungen zur Sicherung der Diagnose gemacht. es wurden eine Gastroskpoie(Magenspiegelung),bei der Gewebeproben zur feingeweblichen Untersuchung mit Mikroskop entnommen werden.Weiterhin wurde eine Röntgenuntersuchung des gesamten Magen-Darmtraktes mit Kontrastmitteln durchgeführt. Als festsand das es sich um ein Karzinom handelte wurden weitere Untersuchungen erforderlich, endoskopische Ulltraschalluntersuchung,Röntgen der Lunge(Thorax),Computertomographie des Abdomens um eine Meteastesierung festzustellen.

Das Magenkarzinom ist ein Karzinom,das sehr schnell anfängt zu streuen,d.h. es fällt das umliegende Gewebe schon sehr früh an.Besonders häufig treten dann Metastasen in der Leber,Lunge,Knochen und auch im Gehirn auf.


Bei Männe wurde ein Karzinom diagnostiziert. Am Freitag den 10.01 durfte mein Mann erst einmal für 2Tage nach Hause.Am Samstag Morgen dann rief der Arzt aus dem Krankenhaus an mein Mann möchte doch noch am Samstag in die Klinik kommen zur OP-Vorbereitung die dann am Montag den 13.01 erfolgen sollte. Ich laufe hier Montags Morgens wie ein Tier im Käfig herum und warte das die Op vorbei ist und auch alles gut gegangen ist. Plötzlich klingelt um ca.10Uhr Morgens das Telefon,ich nehme ganz aufgeregt den Hörer ab und wer ist dran???Männe!!!! Ich ja wieder fertig mit den Nerven und unseren Hausarzt angerufen und nachgefragt ob er nicht einmal so lieb wäre und im Krankenhaus nachfragt warum die OP abgesagt wurde. Mein Hausarzt teilte mir dann Abends um 22Uhr mit das die OP in letzter Sekunde abgebrochen wurde da sie noch eine Krebsart entdeckt hatten den es auf der Welt nur 50 Mal gibt. Nun gingen die Untersuchungen wieder von vorne los. Lange Zeit konnten sie den anderen Krebs nicht finden.
Nun wurde ich auch langsam fünsch und unruhig und bat die Ärzte im Krankenhaus um ein Gespräch.
Das Gespräch fand dann am 16.01 im Beisein meiner Söhne und Männe statt. Was wir da zu hören bekamen liess mein Blut in den Adern gefrieren.

Männe hat ein nicht verhorntes Plattenepithelkarzinom im Magen, wobei noch nicht bekannt ist ob es ein primär im Magen entstandenes Karzinom ist oder das es sich um eine Metastase im Magen handelt,auch ist die Grösse des Karzinoms noch nicht bekannt.

Ich fragte dann nach den Überlebungschancen.Man sagte mir ohne OP keine mehr und mit Op Schulterzucken. Na ja das waren ja schöne Aussichten. Männe durfte dann erst einmal wieder nach Hause weil die Ärzte noch auf ein Ergebnis vom Hystologischen Institut warten mussten.. Vom 24.01. bis zum 05.02 folgten dann noch weitere Untersuchungen um auch sicher zu gehen,ob man es noch operiert.

Prognose:
Wird in einem frühen Stadium operiert,d.h. wenn sich der Magenkrebs noch auf die innerste Schicht des Magens beschränkt ist die Überlebenswahrscheinlichkeit nach fünf Jahren 90%. Jedoch wird das Magenkarzinom meist erst deutlich später entdeckt.Dadurch wird die Prognose wesentlich schlechter. Hier liegt eine Überlebensrate bei durchschnittlich 15% nach fünf Jahren.Demzufolge ist die Krebsfrüherkennung beim Magenkarzinom von grosser Bedeutung für den weiteren Verlauf.



Vom 05.02. wurde Männe dann bis zum 08.02 erst einmal beurlaubt und der neue Op-Termin auf den 10.02.gelegt. Ihr glaubt nicht was in unseren Köpfen für Gedanken schwirrten während Männe zu Hause war. Geht Alles gut oder nicht!? Männe hat uns alle immer wieder beruhigt das ich mich schon fragte "wo nimmt dieser Mann bloss die Ruhe her?"
Männe nahm immer mehr ab und konnte auch nicht mehr richtig essen. Was hatte ich bloss für eine Angst ihn zu verlieren. Die ganze Familie versammelte sich dann auch noch in den Tagen wo Männe zu Hause war.Es kam mir vor als wenn sie ihn Alle noch ein letztes Mal sehen wollten.Es wurden auch noch Bilder gemacht usw.Es war einfach schrecklich für mich. Ich durfte Männe natürlich nicht zeigen das ich solch eine Angst hatte.Habe versucht zu lachen obwohl mir zum Weinen war. Die Nächte waren noch schrecklicher,bei jeder Drehung von ihm dachte ich es ist etwas.Hörte ich ihn nicht atmen war die Panik da. Obwohl ich sein Schnarchen immer hasste war ich jetzt froh das ich es hörte.
Am 08.02. brachte ich Männe dann wieder zurück ins Krankenhaus nach Neumünster. Dort wurde er auch gleich wieder liebevoll von dem Pflegepersonal willkommen geheissen, denn er war inzwischen schon ein sehr lieber Patient geworden.


An dieser Stelle möchte ich mich auch einmal bei den Ärzten und dem Pflegepersonal des FEK Neumünster Station 73 für Ihre unermüdliche Fürsorge bedanken. Die Ärzte haben alles gegeben was in Ihrer Macht stand um Männe zu helfen. Sie haben keine Untersuchung ausgelassen. Was sagte Männe? "er hat bis auf den Kreissaal alles durch".


Auch möchte ich mich einmal bei meinen lieben Leuten aus dem Internet und meinem Kummerkasten für Ihre liebevolle Unterstützung bedanken. Sie haben mir immer wieder Mut gemacht,wenn mir zum Weinen war. Haben für Männe gebetet und Kerzen angezündet usw. Danke es ist schön zu wissen das man doch nicht alleine ist. Liebet Mannuchen,liebe Agy und liebe Kess bei Euch möchte ich mich ganz besonders bedanken, denn Ihr ward auch immer telefonisch für mich da und seid es auch jetzt noch.Mein grösster Wunsch ist es auch Euch einmal persönlich kennenzulernen. Na,ja kommt Zeit kommt Rat,smile.


Am 08.02. wurden im Krankenhaus mit Männe noch die Therapiemöglichkeiten besprochen.

Bei der Behandlung des Patienten mit einem Magenkarzinom kommen zwei Arten in Frage.
1. Die Operation,der Tumor operativ wird entfernt.
2. Die Chemotherapie-Mesikamente werden zur Abtötung der Krebszellen eingesetzt.

Bei Männe nun sollte die Operation angewandt werden,es wird eine Gastrektomie (Magenentfernung) durchgeführt werden.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten einer Gastrektomie,es kommt auf die Grösse und Ausbreitung des Karzinoms an.
1. Zweidrittel des Magens sowie des Magenausgangs und der Anfang des Zwölffingerdarms müssen entfernt werden. Das obere Magendrittel bleibt dann erhalten.
2. Vierfünftel des Magens müssen entfernt werden evtl.Magenausgang oder Mageneingang.
3. Der gesamte Magen muss entfernt werden.Sitzt das Karzinom sehr hoch muss zusätzlich der untere Abschnitt der Speiseröhre entfernt werden.


Bei Männe nun sollte die Dritte Variante durchgeführt werden,also der ganze Magen entfernt werden.
Auch am Sonntag fuhr mich einer meiner Jungs,wie jeden Tag, ins Krankenhaus,da ich selbst nicht fahren konnte. Viel hatte ich von Männe aber leider nicht da er für die am nächsten Tag anstehende Op vorbereitet wurde. Er musste viel, so ein ekeliges Zeug, trinken (zur Darmentleerung),ergo sassen wir meistens in Nähe einer Toilette. Um ca.18Uhr verabschiedeten wir uns dann.Wir hatten Beide Tränen in den Augen und ich sagte noch zu Männe "mache Dir keine Sorgen um mich ich schaffe das schon",denn Männes grösste Sorge galt mir falls etwas schief gehen sollte. Daran aber wollte ich gar nicht erst denken.Zu Hause angekommen rief ich dann meine ganze Verwandschaft an und bat sie Montags bitte nicht zu kommen und auch nicht anzurufen. Ich werde mich melden,wenn etwas ist oder wenn die Op vorbei ist.Ich hätte es einfach nicht ertragen wenn meine Kinder alle mit ihren Kindern hier gesessen hätten mit Trauerminen. Als ich das erledigt hatte ging ich fast die ganze Nacht ins Internet und in meinen Kummerkasten um mich abzulenken. Irgendwann in der Nacht nahm ich dann eine Beruhigungstablette und legte mich aufs Sofa und liess den Fernseher die ganze Nacht laufen. Ich kann gar nicht beschreiben was mir alles für Gedanken durch den Kopf gingen,es war einfach nur die Hölle. Irgendwann bin ich dann doch noch eingeschlafen. Montag Morgen war ich dann früh schon wieder auf den Beinen und schielte immer zum Telefon und dachte bei mir "naaa ruft Männe wieder an,das die Op wieder abgesagt wurde?" Aber nee das Telefon blieb stumm.Ich erst einmal versucht,mir mit meinen zitterigen Fingern,einen Kaffee zu kochen. Wieder eine Beruhigungstablette und ins Internet,doch auch dazu hatte ich keine Ruhe. Hatte mich vorsorglich bei den Ärzten erkundigt wie lange die Op in etwa dauern wird. Also warten bis Mittag dann werden sie ja wohl endlich anrufen. Es wurde 11Uhr,es wurde 12Uhr,es wurde 13Uhr,meine Güte und meine Unruhe wuchs von Minute zu Minute. Lief von einem Zimmer ins nächste,dann wieder an den Computer und meine Unruhe wuchs weiter. Noch eine Beruhigungstablette. Mittlerweile war es dann schon 14 Uhr und immer noch kein Anruf. Um 1/4nach14Uhr wurde mir es dann zu bunt,ich konnte den Druck einfach nicht mehr aushalten und rief dann selbst auf der Intensivstation an(die Nummer hatten mir die Schwestern von Station 73 freundlicher Weise gegeben). Meldete mich mit Dreesmann und fragte ob mein Mann schon auf Intensiv wäre. Frau Dreesmann rufen Sie in einer viertel bis halben Stunde noch einmal an. Meine Güte hoffentlich ist alles gut gegangen,meine Nerven waren zum zerreissen angespannt. Mein Herz hat wohl ganz Schönböken klopfen hören. Das Spiel mit dem Anrufen ging dann noch 2 Mal,fiel bald in Ohnmacht vor Anspannung,es war einfach nicht auszuhalten, glaubt mir das gönne ich Niemanden. Um ca. 15Uhr hatte ich dann endlich einen Arzt an der Strippe und ich fragte wieder ob mein Männe schon auf Intensiv sei. Ja,kam die erlösende Nachricht,ich fragte dann wie es Männe denn geht und ob ich Männe denn schon besuchen könnte. Ich bekam die Erlaubnis ihn kurz zu sehen aber erst um 17Uhr30. Lieber Gott ich Danke Dir Männe lebt waren meine ersten Gedanken und ich fing fürchterlich an zu weinen. Die ganze Anspannung fiel erst einmal von mir ab und wieder hörte ganz Schönböken einen Stein der Erleichterung plumpsen. Habe dann erst einmal sämtliche Familienmitglieder angerufen das Männe lebt,denn die sassen auch Alle wie auf Kohlen. Danach habe ich mir erst einmal einen Fahrer besorgt und einer meiner Söhne kam dann auch sofort. Dann fuhren wir zur Klink. Auf der Intensivstation angekommen muss man sich erst telefonisch anmelden,dann durfte man erst in den Vorraum. Danach wurde uns ein Kittel gegeben,doch mein jüngster Sohn blieb lieber im Vorraum sitzen er wollte Männe nicht an Schläuche sehen. Ich dann mit weichen Knien dem Pfleger gefolgt und da lag Männe,ich schwankte kurz und bin dann an sein Bett. Oh meine Güte wie er da so lag wie ein kleines Würstchen,mir kamen wieder die Tränen. Männe wurde künstlich beatmet und wurde vorrübergehend ins künstliche Koma gesetzt. Dann kam ein Arzt und ich fragte dann was sie denn gemacht hätten. Der Arzt sagte mir das sie Männe den ganzen Magen,die Milz ein Stück von der Bauchspeicheldrüse und ein Stück von der Speiseröhre entfernen mussten und das der Zustand noch sehr kritisch sei. Ich konnte gar nichts mehr sagen und die Knie wurden wieder weich ich musste an mich halten damit ich nicht umkippe. Der Arzt merkte meinen Zustand und gab mir dann einen Stuhl.Ich durfte dann fast eine Stunde bei Männe bleiben. Habe gebetet das er am Leben bleiben möge. Bin dann wieder zu meinem Sohn der mich dann in den Arm nahm weil er merkte das ich vollkommen aufgelöst war. Zu Hause angekommen haben wir dann erst einmal einen Kaffee getrunken.Als mein Sohn dann wieder weg war musste ich erst einmal wieder hemmungslos weinen.


© by Claudia Dreesmann

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